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Dr. Sonja Radatz gegen Roland Kopp-Wichmann

Der Case

Selten einen größeren Blödsinn gelesen
Von Roland Kopp-Wichmann

Ich möchte vor dem Buch und dem darin propagierten Ansatz warnen.
Klar Coaching ist kein geschützter Begriff, deshalb kann sich jeder so nennen. Aber das heißt doch nicht, dass man einfach alles machen kann

Ein paar Beispiele:
"Ich glaube nicht daran, dass es die "richtige" Vorgangsweise, die "richtige" Methodik im Coaching gibt. Daher dürfen sich angehende Coaches meines Erachtens darauf konzentrieren, ihren ganz persönlichen Coaching-Stil und ihre ganz persönlichen Techniken und Methoden zu erfinden und auszugestalten.
Das klingt zunächst vielleicht herausfordernd - muss es aber nicht sein. Steve de Shazer meinte immer: "Tun Sie mehr von dem, was funktioniert." Das bedeutet: Im "Trial and Error" können Coaches herausfinden, was in ihren eigenen Coachings funktioniert. Und woran erkennen sie das? Na, an zufriedenen Klienten natürlich."

Wer würde zu einem Handwerker, einem Arzt oder einem Lehrer gehen, der mit Trial and Error herausfinden will, was funktioniert.

"Wir können nicht verstehen - also brauchen wir nicht zu verstehen."

Es liegt auf der Hand, dass wir einander nicht verstehen: Denn jeder denkt anders, hat ein anderes Problemempfinden und findet andere Lösungen. Meine Erfahrung zeigt mir: Die Wahrscheinlichkeit, im Klienten einen Klon von sich selbst zu finden, geht gegen null, was bedeutet: Coaches können ihren Klienten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht verstehen. Er denkt immer anders! Das macht die Sache recht einfach - denn Coaches brauchen es gar nicht erst zu versuchen. Vielmehr können sie mit dem Staunen eines Kindes ihren Klienten bei der Erfindung seiner gewünschten Zukunft begleiten, von der zu Beginn noch nicht klar ist, wie sie aussehen wird (der Klient weiß es auch nicht)."

Das stimmt doch einfach nicht. Jeder kennt Situationen, wo ein anderer Mensch einen versteht. Entweder weil er das Gleiche oder Ähnliches erlebt hat - oder sich einfühlen kann. Zu behaupten, das ginge gar nicht, sagt mehr über die mangelnde Empathie desjenigen aus. Schon Zweijährige können emphatisch reagieren.

"... meine Erfahrung zeigt: Wenn Coaches mit dem Klienten - abseits all seiner problematischen Vergangenheit - redlich herausarbeiten, wer und wie er gerne ab morgen sein will, dann kann er sich das geistig vorstellen und tatsächlich ab morgen genau das leben. Und diese Vorgangsweis finde ich so bestechend einfach, dass sie mir schon beinahe unverdient erscheint. Ich nehme sie trotzdem!"

Das ist Pipppi-Langstrumpf-Coaching: Widewiddiwid - ich mach mir die Welt, wie Sie mir gefällt.
In die ähnliche Richtung gehen Sprüche von Motivationsgurus wie "Wenn Du es Dir vorstellen kannst, dann kannst Du es auch machen."

PS: Ich mache seit 30 Jahren Coaching und habe also einiges an Erfahrung. Gemäß der Meinung der Autorin ist das natürlich eher hinderlich.
Wie gesagt: Selten so einen Blödsinn gelesen.

 

Die Stellungnahme von Dr. Sonja Radatz

Hr. Knopp-Wichmann,
Ja, tatsächlich gibt es zwei grundlegende Themen, in denen wir diametral auseinanderliegen:
Menschen, die dem Denken der letzten Jahrhunderte folgen, sehen wenig Gestaltungsmöglichkeit. Das ist meines Erachtens auch in Ordnung so, wenn sie damit zufrieden sind. Meine Coaching-Kunden sind vorrangig CEOs, Vorstände und andere sehr seriöse Menschen und nicht Pippi Langstrumpf-Vertreter, mit denen Sie sich besser auszukennen scheinen:) - und sie wollen mit mir genau an Gestaltungsmöglichkeiten arbeiten. Es ist erstaunlich, welche Möglichkeiten entstehen, wenn Sie das Denken in Möglichkeiten erst einmal für sich erschließen! Ich erlebe nämlich in allen Bereichen des Gesellschafts- und Wirtschaftslebens, dass Aussagen wie "Man muss sich nach der Decke strecken" oder "Das Leben ist kein Ponyhof" echte Innovationskiller sind. Und wenn dann Coaches wie Sie "mit 30 Jahren Erfahrung" (damals gab es das Wort Coaching noch gar nicht:)) solche Aussagen in einem Coaching treffen würden - oh weh, da fürchte ich, dass Sie nicht so viel Zufriedenheit Ihrer Kunden ernten!
Die andere Thematik bezieht sich auf das "Verstehen". Ich habe schon zuviel Gefühlsduselei in den Hüllen der "Empathie" und des "Verständnisses" in anderen Coaching-Ansätzen erlebt, die mit "Verstehen" nicht viel am Hut hatten und von meinen Kunden lediglich als esoterisch angesehen würden. Ich weiß ja nicht, mit welchen Kunden Sie arbeiten - aber wenn Ihnen der Chef eines Konzerns gegenübersitzt, der von 150.000 Mitarbeitern etwa 20.000 abbauen muss, und Sie sagen ihm allen Ernstes ins Gesicht, "Ich verstehe Sie" oder "Ich fühle mich in Sie ein", haben Sie die Pointe meines Erachtens verpasst - und den Kunden verloren. Und Ähnliches passiert Ihnen vermutlich auch, wenn Sie glauben, einen Krebskranken im letzten Stadium zu verstehen oder eine Mutter, deren Ehemann bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Da ist mir ein ehrliches "Ich werde Sie niemals verstehen. Aber ich werde alles dazu tun, um Ihnen zu helfen" um einiges lieber.
Gerade was Sie alles in Ihrer Emotion aufgeschrieben haben, zeigt mir, dass im Coaching offensichtlich wirklich (immer) noch "alles" getan werden kann - und das sehe ich tatsächlich anders. Genau deshalb habe ich dieses Buch geschrieben. Ich lade Sie ein, es zu lesen - denn Ihre unrichtigen Zitate zeigen mir, dass Sie dies bisher noch nicht getan haben:))
In diesem Fall würde ich Ihnen das Buch sogar kostenlos senden, schicken Sie mir einfach Ihre Postadresse an s.radatz@irbw.net!