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Crash zwischen 2 Coaching-Welten: Das neue Buch „Einfach beraten.“ erzeugt unnötige Polemik in der Coaching-Szene

Crash zwischen 2 Coaching-Welten: Das neue Buch „Einfach beraten.“ erzeugt unnötige Polemik in der Coaching-Szene

Dr. Sonja Radatz nimmt Stellung.
Ein Teil der Coaching-Szene, vor allem die altgedienten und eingefahrenen Coaches, schreit auf. Und das erinnert mich sehr stark an die Zeit meines ersten Coaching-Buches „Beratung ohne Ratschlag“, für das ich sogar mehrere Morddrohungen bekam: Wie konnte ich mich erdreisten, zu behaupten, man könne „ohne Ratschlag“ beraten, wo doch jeder wissen würde, dass es auf die Expertise ankäme? Hilflosigkeit der Coaches, die damals hauptsächlich als Therapeuten unter einem anderen Namen arbeiteten – das war die Reaktion auf mein Buch damals. Und nackte Angst – Angst, nicht mehr routinemäßig mit den jahrzehntelang angewendeten Methoden weiterarbeiten zu können. Angst, überholt zu werden. Angst, das eigene Denken würde „überholt“ sein. Und das Ganze mischte sich natürlich mit einem erklecklichen Kaliber des inneren Schweinehunds, gar nicht weiterdenken zu wollen: Warum auch, es war doch so bequem…
Nun: Heute gibt es kaum einen Coach, der Beratung ohne Ratschlag nicht in seinem Bücherregal hat. Was keinesfalls bedeutet, dass Coaching nun durchgängig „ratschlagfrei“ wäre – das wurde mir beim neuerlichen Aufschrei der ewig gestrigen Coaches zu meinem neuen Buch „Einfach beraten“ nochmals so richtig deutlich. 
Natürlich positioniert sich das Buch ganz klar, indem es davon ausgeht, dass Coaching einfach ist, immer funktioniert und jeder es kann: WENN es auf einem Relationalen Gedankengut basiert. WENN es ratschlagfrei ist. WENN es rein zukunftsfokussiert gestaltet wird. WENN der Coach – wer immer das dann ist: Eltern, Lehrer, Berater, Ärzte, Anwälte – es schafft, seine ewige „Expertise“ in Form der Besserwisserei aufzugeben.
Und natürlich präsentiert es jede Menge sehr innovativer Methoden, Fragen und Tools zu diesem Relationalen Coaching-Ansatz, die ich in keinem anderer meiner Bücher zuvor beschrieben habe. Und natürlich rüttelt es auf und lässt uns nochmals qualifiziert über die eigene optimale Herangehensweise im Coaching nachdenken. 
Aber das finden die Tausenden Leser der ersten wie der zweiten Auflage (danke an meine Leser, dass das Buch bereits nach 3 Monaten in die zweite Auflage ging!) gerade das Spannende an dem neuen Buch. 
 
Die altbackenen Coaches jedoch schreien auf wie damals bei Erscheinen des Buches „Beratung ohne Ratschlag“. Bloß: Damals ging es „nur“ um die verruchte „Beratung ohne Ratschlag“, die es von jetzt auf gleich unmöglich machte, in Coachings noch mit Ratschlägen daherzukommen, ohne als „gestrig“ bezeichnet zu werden. Heute, bei meinem neuen Buch „Einfach beraten“ geht es um viel mehr: 
Es geht um die Existenzfrage für Coaches, 
• die sich immer noch mit „unzufriedenen Coaching-Kunden“ und der „Erfolgsquote“ herumschlagen (weil sie es mit ihrer Herangehensweise nicht schaffen, ganz selbstverständlich eine Erfolgsquote von 100% zu erzielen), 
• die immer noch nach dem Problem und der aktuellen Situation fragen, und dann versuchen, die aktuelle Situation zu verändern (und sich dann wundern, dass die Lösung nie so richtig „flockt“)
• die von „Kontextabhängigkeit“ sprechen und damit Situationen einzementieren, bloß weil ihr Horizont nicht ausreichend genug ist, um eine Welt „beyond“ ihres Pipifax-Denkens zu erlauben,
• die sich tatsächlich anmaßen, schon vor dem Formulieren der Frage die „Wirksamkeit“ dieser Frage deren Wirksamkeit vorauszusagen und glauben, niemals korrigieren zu müssen, wenn der Coachee mit einer Frage nicht weiterkommt,  
• die zwischen „Greenhorns“ und ihnen unterscheiden und glauben, sie wären einfach unschlagbar, kraft ihres… ihres… ja, kraft was eigentlich?
 
Und die Existenzangst dieser Coaches ist durchaus berechtigt – denn die zentrale Frage ist aus meiner Sicht:
Können diese ausgedienten Coaches angesichts der neuen Möglichkeiten, die nun eben entdeckt sind, publiziert, und auch schon erfolgreich angewendet werden, überhaupt überleben? 
Wie schnell wird es sich herumsprechen, dass ein Coaching eben NUR in einem Termin durchgeführt wird und die Aufteilung in mehrere Termine bloß ein Mehr an Honorar beim Coach bewirkt? Wie schnell wird es sich herumsprechen, dass der Coachee es sich ersparen kann, sinnlose Zeit für das Herumdoktern in seiner Vergangenheit und die Analyse seiner Gegenwart zu verbrauchen? Wie schnell wird es sich herumsprechen, dass der Coach mit seinen vielen Ideen über das, was richtig gut ist, den Coachee nur beim Nachdenken über das stört, was für IHN SELBST richtig gut sein könnte?
Wie schnell wird es sich herumsprechen, dass es eben gerade NICHT jahrelange „Erfahrung“ in Inhalten braucht, um richtig gute Fragen zu stellen und in den Augen der Kunden ein unschlagbarer Coach zu sein?
 
Aber auch die vielen altbackenen, ewig lange dauernden Coaching-Weiterbildungen sind mit einem Schlag gefährdet: Denn plötzlich wird entlarvt, dass all das, was als „fundiert“, „komplex“, „nachhaltig“, „vollständig“ und „notwendig“ verkauft wurde, rein dazu gedient hat, die Weiterbildungen so groß wie möglich aufzublasen, um die von den Weiterbildnern so genannten „Greenhorns“ (denen genau die Altbackenen ohnehin nichts zutrauen) so viel wie möglich abzuzocken.  
Warum ich so genau weiß, dass es (auch) anders funktioniert? Weil ich jedes Jahr die gegenteilige Erfahrung  mache: Weil ich jährlich etwa 25 brillante Coaches in 6 (Live-Weblehrgang) bzw. 11 (Anwesenheitslehrgang) Tagen ausbilde – von denen ich wie auch unsere Kunden, die bereits in den Genuss deren Coachings kamen, ganz begeistert sind, wie erfolgreich sie coachen. 
Und weil ich gleichzeitig erlebe, dass immer mehr Teilnehmer auch NACH den jahrelangen Ausbildungen zu uns ans IRBW kommen, um endlich Coaching zu lernen. Das stimmt mich nachdenklich!
Der Relationale Ansatz gibt sich nie mit dem zufrieden, was schon gefunden wurde. Er beharrt eben nicht auf dem Bisherigen. Denn er dreht jeden Tag um das sokratische Thema: „Ich weiß, dass ich nicht (endgültig) weiß.“ Was bedeutet: Wir können uns immer wieder die Frage stellen, wie wir die 100%  Erfolg, die wir GANZ SICHER unserem Kunden versprechen und halten, noch einfacher bzw. noch convenienter für unsere Kunden herstellen können. Ganz sicher aber sichern wir nicht Pfründe. Denn das Pfründe sichern killt meiner Erfahrung nach jede Innovation – und davon hatten wir in den vergangenen Jahren der Innovationswüste in unseren Unternehmen, in unserer Gesellschaft schon viel zu viel. 
 
Dennoch kann aus meiner Sicht jeder tun und lassen, was er will. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn ganz unterschiedliche Coaching-Ansätze existieren. Und: Es würde mir im Traum nicht einfallen, dem Wald- und Wiesencoach neben mir zu erklären, was er nicht richtig macht. Ich bin viel zu sehr kontemplativ mit der Weiterentwicklung meines erfolgreichen Ansatzes beschäftigt, als dass ich über andere herziehen müsste. Ich bin ja auch gut beschäftigt. 
Andere sind das offensichtlich nicht. Sie haben aber auch kein Interesse, nachzufragen, wie denn das gehen kann, was sie selbst offensichtlich nicht können. Sie haben auch nicht den Drang, anderen ihren Ansatz vorzustellen (weil sie ganz offensichtlich gar keinen haben), ja, sie können ganz offensichtlich meinem Gedankengang nicht einmal folgen, und fühlen sich dennoch (oder gerade deshalb?) bemüßigt, mich und meinen Denkansatz zu kritisieren – und das, nota bene, obwohl ich keinen einzigen Coaching-Kunden habe, der jemals (!) etwas Nachteiliges über eines meiner Coachings gesagt hätte. 
Das gefällt mir nicht – und deshalb habe ich beschlossen, ab jetzt immer unzweifelhaft Stellung zu beziehen, wenn sich jemand bemüßigt fühlt, sich unsubstantiell und völlig hintergrundfrei, aber mit hoher Aggression gegen den Relationalen Ansatz zu äußern. Damit wir einander auf der gleichen Ebene begegnen, habe ich mich bemüht, jeweils in etwa den gleichen Grad an unsubstantieller Polemik anzuwenden, wie der betreffende Kommentator.