Der Relationale Ansatz in der Gestaltung der Berufung

Der Relationale Ansatz ist auf der Suche nach der Berufung insofern recht hilfreich, weil das Leben darin ja als etwas Gestaltbares, „Erfindbares“ betrachtet wird: Wir entwerfen die von uns gewünschte Zukunft, stimmen sie mit den gewünschten Parametern unseres Lebens ab, prüfen sie auf Erfolgsträchtigkeit – und probieren sie ganz einfach aus. Und wenn es nicht klappt? Dann waren wir ja nur im Trial- und Error-Bereich unterwegs und können ohne Risiko neue gedankliche Wege einschlagen.

Wie können wir uns das theoretisch vorstellen?
Nun, der Relationale Ansatz geht davon aus, dass unsere soziale Welt sich nicht „da draußen“ unabhängig von uns abspielt, sondern dass es wesentlich auf uns ankommt, welche Welt wir erleben: Jeder Mensch versteht sich dann als Teil der Welt, die er jeweils wahrnimmt (von Foerster, 1993; von Foerster und Bröcker, 2002). Und es liegt an uns, die Welt entsprechend so zu gestalten, wie wir sie erleben wollen. Ob wir also die Möglichkeit der Berufung für uns sehen, ja uns überhaupt erlauben, so etwas wie Berufung für uns zu für möglich zu halten, liegt an niemand anderem als uns selbst. 
 
Wenn wir allerdings unseren Joker der Gestaltungsfreiheit nicht ziehen, dann können wir davon ausgehen, dass wir von anderen, von außen gestaltet werden (Radatz, 2015) – dass wir in unserer Frage „Job oder Berufung“ eben mit dem vorlieb nehmen müssen, was „da ist“ und „angeboten wird“: Und wir wissen nur zu gut, dass die bestehenden Jobangebote nur wenig prickelnde Innovation versprechen und zumeist in Unternehmen stattfinden, die global austauschbar sind, weil sie die gleichen Berater mit der gleichen Branchenerfahrung beschäftigen, die gleichen globalen HR-Konzepte im Zeitablauf durchleben, die gleichen nicht führenden Führungskräfte beschäftigen und sich alles in allem in keinem Aspekt von jenem Unternehmen unterscheiden, das Sie gerade zu verlassen gedenken. 
 
Wenn wir nun unsere Gedankenfreiheit nutzen, um uns mit unseren Berufungsmöglichkeiten intensiver auseinanderzusetzen, dann können wir ein zweites theoretisches Konzept aus dem radikalen Konstruktivismus nutzen, das in der Relationalen Theorie einen ganz besonders wichtigen Platz einnimmt, weil es uns im Sinne des ethischen Imperativs von Heinz von Foerster erst ermöglicht, unsere Handlungsmöglichkeiten zu erweitern (von Foerster, 1993): Die Philosophie des Als ob (Vaihinger, 1911). 
Die Philosophie des Als ob ermöglicht es uns, mit Szenarien zu spielen, ohne uns noch für eine vorläufige oder endgültige Wirklichkeit zu entscheiden.
Aus Relationaler Sicht können wir die Philosophie des Als ob in vielerlei Schattierungen und Intensitäten auf unserem Weg der Berufung nutzen, etwa
um gedanklich verschiedene „erfundene“ Berufe durchzuspielen: Wer sind wir in diesem Beruf? Wie stellen wir uns auf, wie und wo positionieren wir uns, wer ist unser Markt? Wie gestalten wir unsere Produkte, Prozesse und Leistungen, wie sieht unser Geschäftsmodell aus? Wie kommunizieren wir mit unseren Kunden, Lieferanten, Geschäftspartnern? 
um in einem kleinen, abgesteckten, künstlichen Feld der Familie und Freundschaft den neuen Beruf auszuprobieren, um daran zu lernen und entsprechende Rückmeldung zu bekommen, 
um in einem abgesteckten offenen Markt anzubieten und Preise, Qualitäten, Prozesse, Kommunikation zu testen – 
 
und natürlich gibt es auch dazwischen viele Nuancen, die „durchlebt“ werden können.
Ziel ist es, mit Wirklichkeiten zu spielen und schließlich jene präferierte Wirklichkeit zu wählen, die am besten zu den persönlichen, aktuellen Lebenserwartungen passt.
 
Weiterlesen:
LO 108: Gestern Job. Morgen Berufung BESTELLEN
Radatz, S. (2015): Gestalten Sie. Sonst werden Sie gestaltet. VERSANDKOSTENFREI BESTELLEN
Radatz, S. (2018): Einfach beraten (2. Auflage). VERSANDKOSTENFREI BESTELLEN

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